Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Ehrlich, warum ausgerechnet ein Kreuz Zeichen der Christen sein soll, war mir in jungen Jahren unverständlich. Ganz schön makaber, um den Hals zu tragen, was Jesus zu Tode gebracht hat. Heute begreife ich das Kreuz als Symbol des Lebens und der Freude, der österlichen Freude.
Ostern war schon immer das Fest des Lichts und des Frühlings. Neues Leben erwacht in dieser Jahreszeit, die Tage werden wieder länger und so manche Liebe hat sich im Frühling gefunden. In dieser Jahreszeit feiern wir die Auferstehung Christi. Jesus auferweckt von den Toten, zu einem neuen Leben, wird zu unserer Hoffnung. Und das wird im Unterrichtsgespräch schnell deutlich. Wir lesen das Lukasevangelium: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“
Schmerz und Freude zugleich fallen uns dabei ein. Vor den Ferien wurde uns die Trauer und die Sprachlosigkeit der Jünger Jesu bewußt, die sie mit der Kreuzigung Jesu erfuhren und jetzt soll es Grund zur Freude geben? Wie ist das möglich?
Jesus ist auferstanden, wie soll das möglich sein? Schnell fallen uns die vielen Einwände und Forschungsergebnisse, die wir aus dem Fernsehen kennen, ein. Und jeder hat eine andere Idee: „Und wir, werden wir auch von den Toten auferweckt? Und wie soll das vor sich gehen? Und wie ist das mit den Nahtoderlebnissen und wenn die Katze stirbt? Aber Jesus war vielleicht gar nicht tot, das Grab einfach nur leer und er ist weg gegangen. Oder ist sein Leichnam nur weg geschafft worden und die Jünger haben eine Lüge erzählt?“
Fragen über Fragen, die uns in der 5. und 6. Klasse beschäftigen, aber auf die es nicht wirklich endgültige und klärende Antworten gibt. Wir nähern uns dennoch dem Phänomen der Freude, der Hoffnung, der Liebe und des Lebens aus dem Blickfeld der Christen an.
Dazu nehme man ein gelbes Blatt Papier, zeichne zuerst ein möglichst großes Kreuz darauf und mache sich den Tod und die Kreuzigung Jesu bewußt. Danach gestalten wir das Kreuz bunt. Wir überlegen uns Symbole und Farben für Freude, Liebe und Hoffnung. Was verbinden wir mit der Auferstehung Jesu? Wie drücken wir diese Freude und dieses Wunder aus? Und da wird jeder für sich kreativ und das Symbol der Christen wird vom Zeichen der Trauer und der Kreuzigung zum Symbol der Freude und Hoffnung und der Auferstehung. Und an dieser Stelle verliert sich die ungewisse Antwort auf die Frage: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und mehr noch:
Mit Ostern richten wir uns auf Jesus aus. Er wird zu unserer Mitte und damit zu unserem Leben. Und wie soll das gehen?
Immer dann, wenn wir einen schmerzhaften Prozess bewältigt haben, bekommen wir ein neues Leben geschenkt. Vielleicht sollten wir uns daran erinnern, wenn es uns einmal wieder schlecht geht, wenn wir leiden oder schwierige Phasen im Leben durchmachen. Dann dürfen wir gewiss sein, daß Jesus sein Leid mit Gottes Hilfe bewältigt hat und das gleiche auch für uns gilt. Dann sollten wir das Kreuz bunt gestalten, mit Symbolen der Hoffnung, der Liebe und der Freude und des Trostes.
Es gibt immer einen Anlass ein gelbes Papier zur Hand zu nehmen, ein Kreuz darauf zu zeichnen, es auszuschneiden, sich das eigene Leid bewußt zu machen und die Freude und Hoffnung auf das neue Leben, auf dem Kreuz zu gestalten.
Aus dem Themenkatalog des Religionsunterrichts in Klasse 5 und 6. Anke Jahraus, 15.04.10




